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Startschuss für das „Festival der Moderne“: Stadtrat ebnet Weg für 2027 – streitet jedoch über Open-Air-Sitzung

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 30.09.2025 / 08:03 Uhr von rt
Der Magdeburger Stadtrat hat vergangene Woche die entscheidende Planungsphase für das Großereignis „Festival der Moderne 2027“ eingeleitet. Mit breiter Mehrheit wurde die Umsetzung beschlossen, womit auch der städtische Eigenanteil für die kommenden Jahre gesichert ist. Im Zentrum der Diskussion stand jedoch ein ungewöhnlicher Vorschlag: Eine Open-Air-Sitzung des Stadtrates selbst.


Das sechsmonatige Mega-Event, das 2027 anlässlich der 100-jährigen Jubiläen der Deutschen Theater-Ausstellung, der Stadthalle und des Albinmüller-Turms stattfinden soll, wird nun konkret.

Das Fundament: Finanzen und Ausrichtung

Bürgermeisterin Regina-Dolores Stieler-Hinz zeigte sich zuversichtlich. Mit der Zustimmung des Stadtrats zum vorgelegten Konzept sei nun das Fundament geschaffen, um in die konkrete Planungsphase einzutreten. Das Festival solle das „pulsierende Magdeburg von vor 100 Jahren“ feiern, stolz auf das Heute blicken und vor allem „mit den Mitteln der Kunst und Kultur natürlich auch einen Blick in die Zukunft wagen können.“

Für die Jahre 2026 und 2027 ist ein städtischer Eigenanteil von 500.000 Euro vorgesehen. Die Gesamtkosten sind ambitioniert, weshalb die Akquise von Fördermitteln weiterhin eine Mammutaufgabe bleibt. Carola Schumann (CDU/FDP), Vorsitzende des Kulturausschusses, bestätigte, dass die Fraktionen intensiv über einen „Plan B“ diskutiert hätten, falls die erhofften Fördermittel nicht fließen sollten.

Kontroverse um den „Stadtrat der Moderne“

Zum Zankapfel der Sitzung entwickelte sich ein Änderungsantrag der Fraktion Die Linke, eingebracht von Oliver Müller. Inspiriert durch einen Bürger-Workshop, schlug Müller vor, dass sich das Kommunalparlament selbst mit einer Open-Air-Sitzung in das Festival-Programm integrieren solle – unter dem Arbeitstitel „Stadtrat der Moderne“. „Lassen Sie uns diesen Schritt wagen“, appellierte Müller und betonte, dass es eine Möglichkeit sei, mehr Menschen für die Arbeit des Stadtrates zu interessieren.

Der Vorstoß sorgte für Skepsis. Steffi Meyer (SPD/Tierschutz Allianz/Volt) konnte sich „eine Open-Air-Stadtratssitzung nicht vorstellen, die auch sinnvoll erfolgen kann“. Tim Rohne (CDU/FDP) verwies auf die immensen Kosten für Technik und die logistischen Probleme des nicht-öffentlichen Teils einer solchen Sitzung. Ronny Kumpf (AfD) kritisierte die Diskussion als zum „Haare raufen“ und schlug vor, stattdessen eine überschaubarere Kulturausschusssitzung zu veranstalten.

Am Ende einigte sich der Stadtrat auf einen Kompromiss: Auf Antrag der CDU/FDP-Fraktion wurde der Punkt in einen Prüfauftrag umgewandelt. Die Oberbürgermeisterin wird nun gebeten zu prüfen, ob und wie eine Beteiligung des Stadtrats in diesem Format rechtlich und technisch umsetzbar wäre.

Einladung der Partnerstädte und Fortschritte beim Straßenbahn-Jubiläum

Ungeachtet der Debatte um das Open-Air-Format herrschte in zwei anderen wichtigen Punkten große Einigkeit: Der Antrag der Linken, die internationalen Partnerstädte Magdeburgs zum Festival einzuladen, sich nach Möglichkeit zu beteiligen, wurde angenommen.

Auch die bereits seit der ersten Planung diskutierte Verknüpfung mit dem 150-jährigen Jubiläum der Magdeburger Straßenbahn nimmt konkrete Formen an. Bürgermeisterin Stieler-Hinz bestätigte, man befinde sich in „sehr konstruktiven Gesprächen mit der MVB, dass auch deren Jubiläum Bestandteil dieses Festivals sein kann.“ Darüber hinaus wurde fristgerecht eine Sonderbriefmarke zum 100-jährigen Jubiläum der Theaterausstellung beim Bund beantragt.

Das Festival der Moderne, das ein „Brückenschlag zwischen zeitgenössischer Kunst und der Erinnerung an Magdeburg als Bunte Stadt der Moderne“ sein soll, nimmt nun mit offizieller Genehmigung des Stadtrates an Fahrt auf. Die Programmgestaltung, so die Bürgermeisterin, sei ein fortdauernder Prozess, der den Geist der Moderne widerspiegeln und zum Verlassen alter Denkmuster anregen soll.

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