Logo

Mit Video: Feuerwehreinsatz in Magdeburg nach Phosphinbrand – Ermittlungsverfahren gegen 79-Jährigen eingeleitet

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 02.10.2025 / 18:08 Uhr von rp/rt
In Magdeburg waren die Harbker Straße sowie die Große Diesdorfer in Stadtfeld West gesperrt. Hier war der Brand- und Katastrophenschutz der Feuerwehr, sowie die Polizei im Einsatz. Laut einer Sprecherin der Feuerwehr gab es hier einen Brand im Kellerbereich eines Wohnhauses in der Beimssiedlung, nachdem dort Personen mit gefährlichen Substanzen wie Phosphin hantierten. Mehrere Menschen mussten ins Krankenhaus gebracht werden.
 




+++ Update 2. Oktober, 16:13 Uhr: 79-Jähriger Verursacher identifiziert, Ermittlungsverfahren eingeleitet

Ermittlungsverfahren gegen 79-jährigen Anwohner

Gegen den 79-jährigen Verursacher des Einsatzes wurde von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Gefährdung durch Freisetzen von Giften eingeleitet. Die Polizei bestätigte, dass der Bewohner des Mehrfamilienhauses in seinem Keller mehrere Chemikalien unsachgemäß verwendet haben soll, wobei das hochgiftige Gas Phosphin freigesetzt wurde.

Zwei Dutzend Personen in medizinischer Behandlung

Die Polizei spricht in ihrer Meldung von etwa zwei Dutzend Personen, die sich in medizinischer Behandlung befanden. Diese Zahl beinhaltet sowohl die Anwohner als auch die betroffenen Einsatzkräfte. Weitere Personen werden gegenwärtig getestet und gegebenenfalls vor Ort dekontaminiert, darunter befinden sich ebenfalls Einsatzkräfte.

Gefahrenstoff beseitigt

Die Feuerwehr konnte den Gefahrenstoff Phosphin erfolgreich beseitigen. Der Stoff, der bei Kontakt mit Löschwasser selbstständig weiter brannte und hochgiftig ist, wurde unter Schutzvorkehrungen in luftdichten Edelstahlbehältern verschlossen und abtransportiert.
Die Nacharbeiten vor Ort, die durch ein Großaufgebot nach Feuerwehrangaben von 90 Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutz bewältigt wurden, stehen kurz vor dem Abschluss.

+++ Update 2. Oktober, 14:54 Uhr: Zahl der Betroffenen steigt – Ursache bestätigt

Bilanz der Betroffenen und Einsatzursache

Insgesamt mussten mindestens 14 Personen medizinisch versorgt werden: Die zwei Hauptbetroffenen Anwohner wurden in ein Krankenhaus gebracht, ebenso wie zwölf Einsatzkräfte (acht Feuerwehrleute und vier Polizisten). Die Einsatzkräfte klagten über Atembeschwerden, Kopfschmerzen und Unwohlsein, nachdem sie mit den freigesetzten Rauchgasen in Kontakt kamen.

Polizeihauptkommissar Sebastian Alisch bestätigte, dass zwei Anwohner im Keller Chemikalien vermischt hatten, wodurch das hochgiftige Gas Phosphin freigesetzt wurde. Laut Einsatzleiter Sven Drebenstedt von der Feuerwehr handelte es sich bei den gefundenen Substanzen um haushaltsübliche Mengen (ein bis zwei Liter Gebinde), mutmaßlich Restbestände zur Schädlingsbekämpfung.

Besonderheit des Gefahrstoffs und weitere Maßnahmen

Die Feuerwehrleute erkannten die Gefahr, da der Stoff nach dem ersten Löschen immer wieder ausgaste und mit dem Löschwasser reagierte, indem er sich selbstständig wieder entzündete. Daraufhin zogen sich die Kräfte sofort zurück und forderten Spezialeinheiten mit Messkomponenten an.

Das nachgewiesene Phosphin ist ein Stoff, der bei starker Kontamination lebensgefährliche Zustände hervorrufen kann, da es das Blut- und Nervensystem angreift.

Die Gefahr ist am Einsatzort inzwischen gebannt: Die Chemikalien wurden unter strengen Schutzvorkehrungen in luftdicht verschlossenen Niederstahlbehältern verpackt. Vor Ort waren zeitweise 60 bis 70 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutz, die bis in den Nachmittag mit den umfangreichen Nacharbeiten beschäftigt sind. Dazu gehört die sichere Entsorgung des Gefahrguts und die Prüfung der Einsatzbekleidung auf Kontamination.

+++Update 2. Oktober, 12:00 Uhr:

Nach Angaben einer Feuerwehr-Sprecherin war die Ursache des Brandes, dass eine Person im Keller Chemikalien zur Ungezieferbekämpfung herstellte oder zusammenmischte. Diese Substanzen entflammten sich nach der schnellen Löschung des ursprünglichen Kellerbrandes immer wieder.

Die im Keller anwesenden Personen, die die Stoffe mischten, hatten Symptome verspürt und wurden ins Krankenhaus gebracht. Es besteht der Verdacht einer Phosphin-Vergiftung, die bei starker Einatmung zu schweren gesundheitlichen Folgen führen kann.

Als Vorsichtsmaßnahme werden auch mehrere Einsatzkräfte und Polizisten rettungsdienstlich versorgt, da sie leichte Symptome wie Kopfschmerzen verspürten.

Aktuell ist das Feuer endgültig gelöscht. Der ABC-Fachdienst der Feuerwehr ist nun damit beschäftigt, das Gefahrgut sicher zu verpacken. Dies wird voraussichtlich noch zwei bis drei Stunden andauern, weshalb die weiträumigen Absperrungen aufrechterhalten bleiben.

Die Sprecherin betonte: "Es besteht hier keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung." Die Koordination für Anwohner, die Symptome verspüren, ist der nächste Schritt nach der Sicherung des Gefahrgutes und wird noch bekannt gegeben. Eine Gefahreninformation ist bereits über die NINA-Warn-App verbreitet worden.

+++Update 2. Oktober, 11:45 Uhr:

Auf Höhe der Harbker Straße wurde nun auch die Große Diesdorfer Straße gesperrt. Dort bauen die Einsatzkräfte derzeit Container und Zelte auf. Zudem erfolgte nun eine offizielle Warnung, dass es im Bereich Harbker Straße zu einer Havarie gekommen ist und dabei Gefahrstoffe freigesetzt wurden, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können. Wenn Ihr euch im betroffenen Bereichen befindet, begebt euch sofort in geschlossene Räume. Schließt Fenster und Türen. Schaltet eure Lüftungs- und Klimaanlagen bitte aus.

+++Originalmeldung 2. Oktober, 10:46 Uhr:

Wie uns der Leiter der Feuerwehr Magdeburg, Sven Drebenstedt mitteilte, sind die Kameraden anfangs zu einem vermeintlichen Kellerbrand vor Ort ausgerückt. Während des Einsatzes stellte sich aber heraus, dass sich in dem Keller eine unbekannte flüssige Substanz (Chemiekalie) befindet.

Anwohner sind aufgerufen, Fenster derzeit geschlossen zu halten.

Der Einsatz läuft derzeit noch. Weiter Infos folgen.

Die Harbker Straße ist derzeit vollgestellt.

Bilder

Alle Fotos: rp, Meetingpoint
Alle Fotos: rp, Meetingpoint
Alle Fotos: rp, Meetingpoint
Dieser Artikel wurde bereits 15.500 mal aufgerufen.

Werbung