Warum wir uns zu Weihnachten beschenken – und was Luther damit zu tun hat
Stadtgeschehen
Erstellt: 08.12.2025 / 15:01 Uhr von rt
Am Nikolaustag waren sie wieder überall zu sehen: kleine Stiefel, prall gefüllt mit Süßigkeiten – ein Brauch, der tief in der Tradition rund um den heiligen Nikolaus verwurzelt ist. Doch während am 6. Dezember meist Süßigkeiten und eher kleine Aufmerksamkeiten im Stiefel stecken, folgt wenige Wochen später das eigentliche Geschenke-Fest: Weihnachten. Warum aber hat sich der Schwerpunkt des Schenkens vom Nikolaustag auf den Heiligen Abend verlagert?
Die religiösen Wurzeln
Historisch beginnt die Tradition bereits im frühen Christentum. Die Vorstellung, anderen Menschen zu Weihnachten etwas zu schenken, verweist symbolisch auf zwei Quellen: Zum einen auf die Erzählung der drei Weisen aus dem Morgenland, die dem neugeborenen Jesuskind wertvolle Gaben brachten. Zum anderen auf die Idee, dass Gott selbst den Menschen ein „Geschenk“ machte – durch die Geburt Jesu. Schenken wurde so zum Ausdruck von Nächstenliebe, Wertschätzung und Zusammenhalt.
Der 6. Dezember erinnert an den heiligen Nikolaus von Myra, einen frühchristlichen Bischof, der für sein außergewöhnliches soziales Engagement bekannt wurde. Seine selbstlosen Taten und seine Nächstenliebe machten ihn schon im Mittelalter zum Patron der Kinder und zu einem beliebten Gabenbringer. Darum wurden Geschenke damals am Nikolaustag verteilt – ein Brauch, der besonders in Klöstern und später in Familien gepflegt wurde. Dieser war zunächst darauf beschränkt, Kinder oder die ärmere Bevölkerung mit Nüssen, Obst und kleinen Dingen des täglichen Bedarfs zu beschenken. Es war ein Fest der christlichen Mildtätigkeit.
Doch der eigentliche Wendepunkt kam im 16. Jahrhundert durch einen Mann aus Mitteldeutschland: Der Reformator Martin Luther wandte sich gegen die starke Verehrung von Heiligenfiguren wie Nikolaus. Stattdessen wollte er Christus selbst ins Zentrum rücken. Als Alternative schlug er eine neue Symbolfigur vor: den Heiligen Christ. Daraus entwickelte sich später das Christkind. Und damit verschob sich der Termin des Schenkens in protestantischen Gebieten – auch bei uns – vom 6. Dezember auf Heiligabend und den ersten Weihnachtsfeiertag.
Von hier aus entwickelte sich ein Brauch, der bis heute prägend ist: das Weihnachtsschenken, erst aus religiösen Gründen, später zunehmend als familiäres Ritual.
Vom Ritual zum Marketing-Traum
Im 19. und 20. Jahrhundert kamen dann neue Einflüsse hinzu. Die Industrialisierung machte Waren erschwinglicher, geschmückte Kaufhäuser prägten städtische Innenstädte und verschiedenste zusammenfließende Traditionen – darunter nicht nur Sankt Nikolaus, sondern auch Väterchen Frost und Sinterklaas – brachten schließlich den Weihnachtsmann in die hiesige Kultur. Werbung, Illustrationen und Popkultur taten ihr Übriges: Wenn man heute an Weihnachten denkt, denkt man automatisch auch an die Anschaffung von Geschenken. Der Weihnachtsmann wurde dabei nicht zuletzt aufgrund erfolgreichen Marketings eines großen US-Getränkekonzerns zur beliebtesten Symbolfigur für das heutige Fest und verteilt noch heute Jahr für Jahr Geschenke an kleine und große Kinder.
Und genau hier schließt sich der Kreis zur Gegenwart: Zwischen Erwartungen, Werbelawinen, Familienritualen und nostalgischen Erinnerungen stellt sich jedes Jahr die gleiche Frage – Was verschenke ich eigentlich dieses Jahr? Kaufen wir das, was glänzt und im Schaufenster lockt? Reicht es, am Black Friday die richtigen Deals im Onlineshop zu tätigen? Oder gewinnt gerade Selbstgemachtes wieder an Bedeutung?
Unabhängig davon, wie die Geschenkeausbeute in diesem Jahr ausfallen wird, ist vielen Menschen aber sicherlich sowieso wichtiger, Zeit mit den Liebsten zu verbringen, familiäre Traditionen zu pflegen sowie leckere Festmahle und Süßigkeiten zu verspeisen. In der vergangenen Woche hatten wir daher schon ein Plätzchenrezept für Euch und haben gefragt, ob und wie oft ihr in der Vorweihnachtszeit backt. Hier das Ergebnis:
Bilder
Visualisierung: KI-generiert mit Microsoft Copilot
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