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Hubbrücken-Streit: Stadtrat nimmt Borris in die Pflicht – Besitzer kündigt Rückzug an

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 11.12.2025 / 08:03 Uhr von rt
Die Magdeburger Hubbrücke ist weiterhin geschlossen. Wie es weitergehen kann, darüber herrscht Streit – nicht nur im Stadtrat, sondern auch zwischen Eigentümer Rolf Onnen und den beteiligten Behörden. In einer aufgeheizten Ratssitzung wurde nun Vorstoß zwischen den Fraktionen beschlossen, der die festgefahrene Lage lösen soll. Der Meetingpoint hat darüber mit dem Brückenbesitzer gesprochen: 


Die Hubbrücke ist seit Jahren Symbol der Stadt – und immer wieder Problemkind. Sie steht im Privateigentum Onnens, wird betrieben vom Verein zur Erhaltung der Hubbrücke, den er eigens für diesen Zweck gründete. Die Brücke war beim Kauf Teil des Deals um den Elbbahnhof. Bislang habe er eigenen Angaben zufolge „über 100.000 Euro eigenes, versteuertes Geld investiert.“

Onnen machte nach der Absage einer Veranstaltung im Sommer durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt ernst: Wegen „unüberwindbarer behördlicher und bürokratischer Hemmnisse“ und fehlender finanzieller Unterstützung erklärte der Verein das Bauwerk für geschlossen. Der Versuch, die Brücke zumindest für ein Festival-Wochenende zu öffnen, scheiterte, nachdem die Behörde die Nutzung komplett untersagte. Seitdem blieb sie zu.

Unklare Finanzierung für „meistfotografierte Brücke der Stadt“

Beigeordneter der Stadt Magdeburg Jörg Rehbaum stellte klar: „Das Bundeswasserstraßenamt hat gesagt: keine Durchfahrt, bevor nicht die nächste Hauptprüfung durchgeführt wird.“ Die Kosten dafür bezifferte er auf etwa 40.000 Euro. Erst wenn die Eigentümergemeinschaft die Finanzierung kläre, könne die Stadt über weitere Hilfe sprechen und Fehlbeträge ausgleichen.

Rolf Onnen hingegen zeichnet ein anderes Bild. Gegenüber dem Meetingpoint erklärte er, dass die große Prüfung bereits vor etwa vier Jahren stattgefunden habe – die Kosten getragen vom Verein. Die darin aufgeführten Mängel habe er „abgearbeitet“, doch das Schifffahrtsamt habe seine Arbeit „bis heute nicht vor Ort überprüft“. Eine kostengünstigere, kleinere Prüfung im Dreijahresrhythmus stehe zwar an, sei aber noch nicht terminiert. Angepeilt ist der Beginn kommenden Jahres. Danach könne man erst über eine Wiedereröffnung nachdenken.

Seine Kritik richtet sich neben dem Schifffahrtsamt ebenso an Stadt und Denkmalbehörde. Während Onnen dem Schifffahrtsamt bürokratische Verzögerung, fehlende Abnahmen und überzogene Anforderungen vorwirft, richtet sich seine Kritik beim Denkmalschutz und der Stadt vor allem gegen fehlende finanzielle Förderung für die wohl „meistfotografierte Brücke der Stadt“. Seiner Aussage nach belief sich ein zurückliegendes Angebot der Stadt zur Unterstützung auf 7.000 Euro: „Davon kann ich gerade mal das Briefpapier bezahlen.“ Im kommenden Jahr will der Verein zusätzlich Förderanträge beim Land stellen – für Prüfungsgebühren seien diese aber nicht verwendbar.

Wird die Brücke herrenlos?

Onnen macht deutlich, dass er generell weiterhin gesprächsbereit sei, die Diskussion um die Hubbrücke für ihn persönlich jedoch an Grenzen stößt. Er ist 76 Jahre alt, will sich aus dem Verein zurückziehen und kündigt an, dass ein neuer Vorstand aufgebaut werden soll. Langfristig sieht er die Zukunft des Denkmals ohnehin nicht in Privatbesitz: „Irgendwo gehört sie natürlich in die öffentliche Hand.“

Als Option nennt Onnen sogar die Dereliktion – eine juristische Besitzaufgabe, nach der die Brücke herrenlos würde. Ob die Stadt sie dann übernehmen müsste, wäre eine Rechtsfrage. Ein direkter Verkauf sei unattraktiv: Die Brücke werfe keinerlei Einnahmen ab. Von Maßnahmen wie einem Drehkreuz mit kleiner Gebühr hält er Abstand. Die Brücke werde ohnehin immer wieder Opfer von Vandalismus.

Stadtpolitik zwischen Frust, Schuldzuweisungen und Lösungsdruck

Im Stadtrat wurde nun der Antrag zur Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Stadtverwaltung und Eigentümern mehrheitlich angenommen. Die Positionen im Plenum gingen auseinander.

SPD und Tierschutzpartei warnten vor gegenseitigen Schuldzuweisungen. Man brauche „öffentlichen Druck“, aber auch Klarheit, ob Informationen fehlten oder Blockaden an anderer Stelle lägen. Auch CDU, GRÜNE und Gartenpartei sahen den Antrag als Möglichkeit, das Thema wieder in Bewegung zu bringen, um so eine gemeinsame Lösung unter allen Beteiligten zu finden. Einige wiesen darauf hin, dass das Land in anderen Fällen bereits in private Gebäude investiert habe – warum also nicht auch bei einem stadtprägenden Denkmal wie der Hubbrücke.

Die Oberbürgermeisterin wiederum zeigte sich zunehmend verärgert: Die Stadtverwaltung habe ihren Teil getan, jetzt müsse endlich eine Reaktion der Eigentümer erfolgen oder die Stadträte sollten selbst Gespräche mit den Eigentümern aufnehmen. Angesichts dessen forderte Oliver Müller (Die Linke), dass die Stadträte besser über den aktuellen Stand der Verhandlungen informiert werden müssten.

Der Linkenpolitiker sprach weiterhin davon, dass es nicht akzeptabel sei, Gewinne erst zu privatisieren und später Kosten zu vergesellschaften. Eigentum verpflichte – Onnen habe beim Kauf genau gewusst, worauf er sich einlasse. Die AfD sprach sich grundsätzlich gegen weitere städtische Mittel aus und forderte Prioritäten bei „wichtigeren Themen“.

Fest steht: 2027, zum Festival der Moderne, wollen viele die Hubbrücke als funktionsfähiges, passierbares Wahrzeichen sehen. Doch bis dahin sind noch viele metaphorische Brücken zu schlagen.

Bilder

Foto: mz
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