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Nach der Pandemie: Verdopplung von Essstörungen bei Mädchen in Sachsen-Anhalt

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 31.01.2026 / 15:05 Uhr von ub/pm
Die Folgen der Pandemie und anhaltende Krisen sorgen bei vielen jungen Menschen in Sachsen-Anhalt dauerhaft für psychische Probleme. Das zeigt der neue DAK-Kinder- und Jugendreport zu Angststörungen, Depressionen und Essstörungen für Sachsen-Anhalt. Im Fokus der wissenschaftlichen Studie stehen Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, da sich hier die größten Anstiege zeigen: So haben sich in dieser Altersgruppe 2024 die Behandlungszahlen von Essstörungen seit 2019 mehr als verdoppelt.


DAK-Landeschef Meyrich fordert Offensive für mentale Gesundheit
Die Folgen der Pandemie und anhaltende Krisen sorgen bei vielen jungen Menschen in Sachsen-Anhalt dauerhaft für psychische Probleme. Das zeigt der neue DAK-Kinder- und Jugendreport zu Angststörungen, Depressionen und Essstörungen für Sachsen-Anhalt. Im Fokus der wissenschaftlichen Studie stehen Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, da sich hier die größten Anstiege zeigen: So haben sich in dieser Altersgruppe 2024 die Behandlungszahlen von Essstörungen seit 2019 mehr als verdoppelt. Landesweit waren 2024 rund 600 Teenagerinnen mit einer Essstörung bei Ärzten, Therapeutinnen oder im Krankenhaus. Im Bundesvergleich hat Sachsen-Anhalt damit die größte Prävalenz von Essstörungen bei jugendlichen Mädchen: 23,5 je 1.000 Mädchen. Auch bei Angststörungen und Depressionen sind in Sachsen-Anhalt hohe Behandlungszahlen zu verzeichnen. Insgesamt mussten 2024 in Sachsen-Anhalt hochgerechnet rund 1.700 jugendliche Mädchen mit einer Angststörung behandelt werden. Im Falle von Depressionen waren es rund 2.100 junge Frauen.

„Die aktuellen Ergebnisse des DAK-Kinder- und Jugendreports zeigen, dass psychische Probleme viele junge Menschen in Sachsen-Anhalt inzwischen dauerhaft begleiten – vor allem Mädchen. Der starke Anstieg von Essstörungen im Jahr 2024 muss uns als Gesellschaft wachrütteln. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einen Teil dieser Generation verlieren“, sagt Steffen Meyrich, DAK-Landeschef in Sachsen-Anhalt. „Jugendliche leiden oft auch später als Erwachsene an den Folgen ihrer psychischen Erkrankungen, was ihre Familien oder ihr Arbeitsleben belastet. Deshalb brauchen wir jetzt eine Offensive für die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.“

Anstieg der Essstörungen auf Platz eins im Bundesvergleich
Im Bundesvergleich hatte Sachsen-Anhalt die größte Prävalenz, also Erkrankungshäufigkeit von Essstörungen bei jugendlichen Mädchen im Jahr 2024: 23,5 je 1.000 Mädchen. Die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit Essstörungen stiegen 2024 im Vergleich zu 2019 um 102 Prozent. In den Jahren 2021 bis 2024 lassen sich erhöhte Prävalenzen feststellen, sodass sich ein Plateau in der Entwicklung der Erkrankungshäufigkeit aufbaut. 2024 waren in Sachsen-Anhalt hochgerechnet rund 600 jugendliche Mädchen mit einer Essstörung in Behandlung.

Depressionen steigen weiter an
Ein steigender Trend zeigt sich in Sachsen-Anhalt auch mit Blick auf Depressionen: So nahmen die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit Depressionen 2024 im Vergleich zu 2019 um 46 Prozent zu – im Vergleich zu 2023 um 29 Prozent. 2024 waren in Sachsen-Anhalt hochgerechnet rund 2.100 jugendliche Mädchen mit einer Depression in Behandlung.

Angststörungen chronifizieren sich bei jugendlichen Mädchen
Laut DAK-Kinder- und Jugendreport für Sachsen-Anhalt sind jugendliche Mädchen von Angststörungen besonders betroffen. 2024 mussten rund 63 von 1.000 sachsen-anhaltischen Mädchen mit einer Angststörung ambulant oder stationär versorgt werden, insbesondere mit sozialen Phobien und Panikstörungen. Hochgerechnet waren es landesweit rund 1.700 Teenagerinnen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Im Vergleich mit dem letzten Vorpandemiejahr 2019 ist das ein Plus von 21 Prozent. Besonders auffällig ist, dass die Chronifizierung zunimmt. 2019 mussten 8,1 von 1.000 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren jedes Quartal mit einer Angststörung ambulant oder stationär behandelt werden. 2024 waren es 15,9 je 1.000 jugendliche Mädchen. Das entspricht einer Steigerung von 79 Prozent.

Kinderarzt fordert Maßnahmen für ein gesundes Aufwachsen
„Der aktuelle Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit zeigt alarmierende gesundheitliche Trends bei Kindern und Jugendlichen, insbesondere deutliche Zunahmen von psychischen Belastungen wie Angst- und Depressionsstörungen in den letzten Jahren“, sagt Dr. Roland Achtzehn, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ) in Sachsen-Anhalt „Diese datenbasierten Befunde unterstreichen, wie wichtig präventive Ansätze, frühe Aufklärung und eine verbesserte Versorgung sind. Genau hier setzt der Pakt für Kindergesundheit an – mit einem gemeinsamen 11-Punkte-Maßnahmenpaket von Krankenkasse, Kinderärztinnen und -ärzten und Politik zur Stärkung von Prävention, kindgerechter Versorgung und gesundheitsfördernden Rahmenbedingungen. Beide Entwicklungen gemeinsam machen deutlich: Wir brauchen dringend strukturierte und ressortübergreifende Maßnahmen, damit Kinder gesünder aufwachsen können.“

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Foto: Gettyimages_KatarzynaBialasiewicz
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Kommentare

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    Bürger schrieb um 19:32 Uhr am 31.01.2026:
    Die Pandemie und der Umgang mit ihr hat großen Schaden an einer ganzen Generation angerichtet. In der prägendsten Phase ihres Lebens wurden junge Leute, noch ungefestigt in ihrem Charakter, ausgebremst und verstört. Am schlimmsten war sicher die Isolation. Aber auch der "verordnete Impfzwang" und die repressiven Maßnahmen mit Ungeimpften waren traumatisch. Schulunterricht im Winter, bei geöffneten Fenstern, ein Wahnsinn damals.
    Und auch jetzt herrschen hoher schulischer Druck und Verlust von Bildungsniveau, verursacht durch den Lehrermangel!
    • Quindt schrieb um 22:59 Uhr am 31.01.2026:
      Humbug .Ich habe mich nicht impfen lassen und es gab keinerlei zwang
  •  
    Nadine schrieb um 18:30 Uhr am 31.01.2026:
    Was wird den Kindern und Jugendlichen denn auch geboten? Es gibt kaum Freizeitangebote und Treffpunkte. Jugendclubs wurden wegrationiert, Eisdielen und Cafe's gestorben, Diskotheken auf dem Land Fehlanzeige, öde Einkaufsstraßen mit unbehaglich vielen Migranten, überall hohe Preise. Traurige Entwicklung!