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Licht oder Schatten? Die Zerreißprobe deutscher Filmschaffender im NS-Staat

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 01.06.2026 / 16:03 Uhr von mr
Zwischen glamourösem Hollywood-Exil und dem riskanten Pakt mit den neuen Machthabern in der Heimat: Ein literarischer Nachmittag in der Stadtbibliothek Magdeburg beleuchtet die dramatischen Lebenswege der Ufa-Stars nach 1933.

Die Weimarer Republik gilt bis heute als die goldene Ära des deutschen Kinos. Mit der Universum Film AG (Ufa) an der Spitze schuf die heimische Industrie zeitlose Meisterwerke wie „Nosferatu“ (1922), „Metropolis“ (1927) oder „Der blaue Engel“ (1930), die weltweit Maßstäbe setzten und als absolut stilbildend wahrgenommen wurden. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten fand diese Blütezeit ein abruptes und brutales Ende. Über 500 Regisseure, Schauspieler und Kreative wurden aufgrund ihrer jüdischen Abstammung oder ihrer politischen Haltung schlagartig in die Emigration gezwungen.

Für die Künstlerinnen und Künstler der damaligen Zeit stellte sich eine existenzielle Zerreißprobe, die am kommenden Mittwoch, dem 3. Juni, im Mittelpunkt eines hochkarätigen Literaturgesprächs in der Stadtbibliothek Magdeburg steht.

Zwei Romane, zwei Welten: Kehlmann und Steidele im Vergleich
Der langjährige Magdeburger Museumsmacher und Ausstellungskurator Tobias von Elsner nimmt das Publikum mit auf eine literarische Spurensuche. Im Spiegel zweier großer, aktueller Gesellschaftsromane – Daniel Kehlmanns „Lichtspiel“ und Angela Steideles „Ins Dunkel“ – wird in einem abwechslungsreichen Mix aus Vortrag, Lesung und offenem Austausch erhellt, wie drastisch sich die Lebenswege der Kulturschaffenden damals aufspalteten:

Der Weg ins Ungewisse: Während Ikonen wie Marlene Dietrich oder Greta Garbo bereits vorab den Sprung nach Amerika geschafft hatten und zu globalen Hollywood-Ikonen aufstiegen, bedeutete die Flucht für viele andere ein Leben in Armut und bitterer Ungewissheit.

Die Illusion der „Inneren Emigration“: Auf der anderen Seite standen jene Künstler, die in Deutschland blieben. Sie hofften darauf, abseits der plumpen, monumentalen NS-Propagandafilmme weiterhin unpolitische, aber künstlerisch anspruchsvolle Unterhaltungsfilme drehen zu können – ein gefährlicher Balanceakt unter permanentem Anpassungsdruck.

Kooperation mit Universität und Bürgerfernsehen
Die Veranstaltung ist weit mehr als eine klassische Lesung. Sie ist gleichermaßen als offizieller Beitrag in das beliebte Studienprogramm „Studieren ab 50“ der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg eingebunden. Wer am Mittwoch nicht live vor Ort sein kann, bekommt später eine zweite Chance: Das Gespräch wird aufgezeichnet und wird im Rahmen der bekannten Sendereihe „Hattenhorst & von Elsner“ im Bürgerfernsehen des Offenen Kanals Magdeburg ausgestrahlt.

Alle Details im Überblick:
Termin: Mittwoch, 3. Juni
Uhrzeit: 17 Uhr
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbibliothek, Breiter Weg 109, 3. Obergeschoss
Eintritt: Der Zugang ist für alle geschichtlich und literarisch Interessierten kostenfrei; eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Bilder

Quelle: Stadt Bibliothek Magdeburg / Foto: Christian Döhler
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